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12 Min. Lesezeit
25.02.2026

VSOP vs. ESOP: Welches Modell passt zu Deinem Startup?

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VSOP vs. ESOP: Welches Modell passt zu Deinem Startup?

Als Rechtsanwalt für Startups und Gründer begleite ich regelmäßig Teams, die ihr Unternehmen auf das nächste Level bringen wollen – und dabei eine entscheidende Frage stellen: Wie beteiligen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg? Die Antwort liegt meist in zwei Modellen: dem VSOP (Virtual Stock Option Plan) oder dem ESOP (Employee Stock Option Plan). Beide haben ihre Berechtigung – aber welches passt zu Deinem Startup?

In diesem Beitrag erkläre ich Dir die Unterschiede, Vor- und Nachteile beider Modelle – klar, verständlich und praxisnah.

Was ist Mitarbeiterbeteiligung – und warum ist sie für Startups so relevant?

Mitarbeiterbeteiligung als strategisches Instrument für Gründer

Top-Talente für ein Startup zu gewinnen, ist eine der größten Herausforderungen für Gründer – besonders in frühen Phasen, in denen das Gehalt oft nicht mit dem eines etablierten Unternehmens mithalten kann. Mitarbeiterbeteiligung schließt diese Lücke. Sie schafft echte Motivation, langfristige Bindung und das Gefühl, gemeinsam an etwas Großem zu arbeiten.

Laut einer Studie des Deutschen Startup Monitors nutzen immer mehr Startups in Deutschland Beteiligungsmodelle, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Der Markt entwickelt sich – und die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich mit dem Fondsstandortgesetz 2021 und weiteren Reformen spürbar verbessert. Mehr dazu findest Du beim Bundesministerium der Finanzen.

Virtuelle Mitarbeiterbeteiligung vs. echte Anteile: Der grundlegende Unterschied

Bevor wir tiefer einsteigen: Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob ein Mitarbeiter tatsächlich Gesellschafter wird – oder ob er "nur" wirtschaftlich so gestellt wird, als wäre er es. ESOP steht für echte Gesellschaftsanteile oder Optionen darauf. VSOP – als oder Virtual Stock Option Plan – bildet diesen wirtschaftlichen Effekt nach, ohne dass echte Anteile übertragen werden.

Für die meisten Startups in der Frühphase ist diese Unterscheidung nicht nur rechtlich, sondern strategisch fundamental. Die falsche Wahl kann später beim Funding oder Exit teuer werden.

ESOP für Startups: Echte Anteile, echte Verantwortung

Wie funktioniert ein ESOP - und was bedeutet das rechtlich?

Beim ESOP erhalten Mitarbeiter Optionen auf echte Gesellschaftsanteile – sie können also zu einem späteren Zeitpunkt zu echten Gesellschaftern werden. Das klingt zunächst attraktiv, bringt aber erheblichen rechtlichen und administrativen Aufwand mit sich: Notartermine, Gesellschafterbeschlüsse, Eintragungen im Handelsregister und komplexe steuerliche Fragen rund um das sogenannte "trockene Einkommen" (dry income) warten auf Dich.

Das "trockene Einkommen" ist dabei eine der häufigsten Fallen, in die Gründer tappen: Mitarbeiter werden bereits bei der Anteilsübernahme steuerlich belastet – also zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch keinen Cent tatsächlich erhalten haben. Die Steuerreform 2021 hat hier für GmbHs Verbesserungen gebracht (§ 19a EStG), allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Mehr dazu direkt im Einkommensteuergesetz § 19a EStG.

Wie genau funktioniert § 19a EStG?

§ 19a EStG ermöglicht es Startups, Mitarbeitenden echte Gesellschaftsanteile oder Optionen steuerlich begünstigt zu gewähren. Der geldwerte Vorteil aus der unentgeltlichen oder verbilligten Übertragung wird dabei nicht sofort als Arbeitslohn besteuert, sondern die Besteuerung wird zeitlich aufgeschoben. Voraussetzung ist u. a., dass das Unternehmen bestimmte Größen‑ und Altersgrenzen einhält und der Mitarbeitende der Anwendung ausdrücklich zustimmt.

Die Steuer fällt erst bei definierten Ereignissen an, etwa bei Veräußerung der Anteile, Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder spätestens nach Ablauf von 15 Jahren. Ziel der Regelung ist die Vermeidung der sogenannten Dry‑Income‑Problematik.

Welche Schritte sind für Dein Startup notwendig?

Zur Umsetzung von § 19a EStG muss ein Startup zunächst prüfen, ob es die gesetzlichen Größen‑ und Altersgrenzen erfüllt. Anschließend ist eine gesellschaftsrechtliche Struktur zu wählen, etwa die Übertragung echter GmbH‑Anteile oder die Einrichtung eines ESOP.

Erforderlich sind Gesellschafterbeschlüsse, eine Bewertung der Anteile, Beteiligungs‑ und Vesting‑Verträge sowie die ausdrückliche Zustimmung der Mitarbeitenden zur Steuerstundung. Zudem muss die Anwendung lohnsteuerlich korrekt dokumentiert werden.

Die Kosten liegen typischerweise deutlich über einem VSOP und bewegen sich – je nach Struktur – häufig im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich, insbesondere durch Notar‑, Bewertungs‑ und Beratungskosten.

Welche Steuern zahle ich also beim ESOP genau?

Beim ESOP erhalten Mitarbeitende das Recht, echte Unternehmensanteile zu erwerben. Steuerlich sind zwei Zeitpunkte relevant.

Erstens: Bei der Ausübung der Option, also beim Erhalt der Anteile, entsteht regelmäßig ein geldwerter Vorteil, der als Arbeitslohn gilt und mit Lohnsteuer sowie ggf. Sozialabgaben belastet wird; Durch den neuen § 19a EStG hat das Startup und damit eben auch Mitarbeitendedie Möglichkeit, diese Besteuerung bis zum Exit aufzuschieben und so die Dry Income Thematik zu umgehen.

Zweitens: Beim späteren Exit oder Verkauf der Anteile versteuern Mitarbeitende den Veräußerungsgewinn als Kapitalertrag, typischerweise mit 25% Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag. Sozialabgaben fallen auf diesen Kapitalertrag nicht an.

Wann macht ein ESOP für Dein Startup Sinn?

Ein ESOP ist dann sinnvoll, wenn:

• Du Mitarbeitern echte Ownership mit allen Rechten vermitteln willst und dies kulturell gewünscht ist.

• Investoren – etwa VCs oder Business Angels – ausdrücklich echte Equity-Strukturen erwarten.

• Du bereits in einer späteren Unternehmensphase bist und die rechtliche Komplexität sowie die hohen Kosten stemmen kannst.

• Der Exit-Zeitpunkt absehbar ist und die Steuerbelastung kalkulierbar bleibt.

Aus meiner Erfahrung in der Beratung von Startups: Ein ESOP wird meist von Scale Ups aufgesetzt, die schon ausreichend Mittel haben, die Berater hierfür zu bezahlen. Dann hat das ESOP jedoch auch den Vorteil, dass die Mitarbeitenden beim Exit Steuern sparen.

VSOP für Startups: Virtuelle Mitarbeiterbeteiligung - flexibel, schnell, effektiv

So funktioniert der Virtual Stock Option Plan in der Praxis

Der VSOP - oder Virtual Stock Option Plan - ist in der deutschen Startup-Szene das mit Abstand häufigste Beteiligungsmodell. Beim VSOP wrden Mitarbeitenden sogenannte "Virtuelle Anteile" ausgegeben. Diese vermitteln zwar keine gsellschaftsrechtlichen Rechte, entwickeln sich im Wert jedoch genauso wie reale Anteile.

Beim VSOP erhält der Mitarbeiter nämlich eben keinen echten Gesellschaftsanteil, sondern "nur" einen schuldrechtlichen Anspruch: Im Fall eines Exits - also eines Unternehmensverkaufs oder Börsengangs – wird er rein wirtschaftlich aber so gestellt, als hätte er echte Anteile gehalten.

Wie setze ich ein VSOP Programm auf?

Ein VSOP Programm ist schnell aufgesetzt. Hier braucht man streng genommen nicht mal einen Anwalt. Den sollte man sich aber nehmen. Oft genug sehe ich VSOP Programme, die durch KI oder selbst erstellt wurden. Sie sind oft nicht korrekt strukturiert, unsauber oder sogar falsch geschrieben und bergen damit große Risiken.

Es empfiehlt sich also hier, einen auf die Vergabe von Virtuellen Anteilen spezialisierten Rechtsanwalt zu konsultieren. Dieser erstellt sodann einen Vertrag zwischen der Gesellschaft und den Mitarbeitenden, den sogenannten VSOP "Begünstigten".

Ist dieses Setup fertig, kann die Geschäftsführung die jeweilige VSOP Höhe an die entsprechenden Mitarbeitenden verteilen.

Der entscheidende Vorteil von VSOP Programmen ist: Es ist kein Notar notwendig, es gibt keine Handelsregistereintragung, es bedarf maximal einesGesellschafterbeschlusses zur Einführung des VSOP Programms. Das VSOP ist eben ein rein schuldrechtlicher Vertrag - und als solcher deutlich einfacher und günstiger aufzusetzen.

Welche Steuern zahlen Begünstigte beim VSOP genau?

Begünstigte eines VSOP‑Programms zahlen keine Steuern bei der Zuteilung der Virtuellen Anteile, da ihnen zunächst kein Geld zufließt. Steuern entstehen erst im Auszahlungszeitpunkt, meist beim Exit oder einem anderen vertraglich definierten Cash‑Event. Die Auszahlung gilt steuerlich als Arbeitslohn, sofern der Begünstigte Arbeitnehmer ist. Sollte der Begünstigte ein externer Berater sein, so kann eine VSOP Auszahlung ein Teil seiner Vergütung sein. Diese muss er dann ganz normal wie sein übliches Honorar versteuern.

Sofern Begünstigte jedoch Arbeitnehmern sind, fallen auf VSOP Auszahlungen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an; außerdem sind die Beträge in der Regel sozialversicherungspflichtig bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze. Eine Besteuerung als Kapitalertrag erfolgt nicht, da keine echten Anteile gehalten werden. Die Steuern werden typischerweise direkt von der Gesellschaft einbehalten und abgeführt.

Warum Gründer und Anwälte den VSOP so schätzen

Als Rechtsanwalt für Startups empfehle ich den VSOP in der Frühphase aus mehreren Gründen, die ich täglich in der Beratung erlebe:

• Schnelle Umsetzbarkeit: Ein VSOP-Programm kann in wenigen Wochen rechtssicher aufgesetzt werden.

• Geringere Kosten: Kein Notar, keine Registerkosten – das schont das Budget junger Startups.

• Steuerliche Klarheit: Besteuerung erst beim Exit schützt Mitarbeiter vor unerwarteten Steuernachzahlungen.

• Weniger Mitsprache: Mitarbeiter erhalten wirtschaftliche Beteiligung, aber keine Stimmrechte – was in frühen Phasen oft sinnvoll ist.

• Investorenfreundlich: VCs sehen VSOPs oft positiv, da der Cap Table übersichtlich bleibt.

Wichtig ist dabei: Ein VSOP muss trotz seiner Flexibilität sauber und rechtssicher aufgesetzt sein. Vesting-Regelungen, Cliff-Perioden, Anti-Dilution-Klauseln und Good-Leaver/Bad-Leaver-Regelungen sind keine Kleinigkeiten – sie entscheiden im Streitfall über alles.

VSOP oder ESOP: Die 3 entscheidenden Fragen für Deine Wahl als Gründer

Rechtliche und strategische Kriterien für die Entscheidung

Nach der Beratung vieler Startups, in der Regel frühphasige Startups, habe ich festgestellt, dass drei Fragen alles entscheiden:

1. Willst Du echte Gesellschafter im Team?

Wenn echte Ownership – mit Stimmrechten, Informationspflichten und gesellschaftsrechtlichen Bindungen – gewünscht ist, ist der ESOP die richtige Wahl. Wenn wirtschaftliche Teilhabe ohne gesellschaftsrechtliche Komplexität reicht, ist der VSOP überlegen.

2. In welcher Phase befindet sich Dein Startup?

Frühphase, schlanke Prozesse und begrenztes Budget sprechen klar für den VSOP. Reife Unternehmen mit stabiler Investor-Basis und klarem Exit-Horizont können auch den ESOP in Betracht ziehen.

3. Wie hoch ist die Exit-Wahrscheinlichkeit in den nächsten 5 - 7 Jahren?

Beide Modelle entfalten ihren vollen Wert erst beim Exit. Je klarer und näher dieser Zeitpunkt ist, desto mehr lohnt es sich, auch den steuerlichen und rechtlichen Aufwand eines ESOPs zu prüfen.

Du möchtest ein VSOP Programm für Dein Startup aufsetzen?

Als Rechtsanwalt für Startups und Gründer ist es meine Leidenschaft, Dich auf diesem Weg zu begleiten - rechtssicher, verständlich und zu fairen, transparenten Konditionen. Du bekommst bei mir keinen anonymen Kanzleibetrieb, sondern einen persönlichen Ansprechpartner, der Dich und die Startup-Welt wirklich versteht.

Ich biete klare Pakete für die Erstellung und rechtliche Begleitung von VSOP-Programmen - abgestimmt auf die Phase Deines Startups. Buche Dein erstes Beratungsgespräch und lass uns gemeinsam das Modell finden, das wirklich zu Dir passt.

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